Pferde verladen - gewusst wie

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So gut wie jeder Reiter oder jeder, der mit Pferden zu tun hat, hat in seinem Leben sicherlich schon etliche Stunden damit verbracht, darauf zu warten, dass sich sein Pferd endlich bequemt, in den Hänger zu gehen. Ja, Sie wissen genau, wovon ich rede. Genau an diesem Tag hat es wahrscheinlich auch noch geregnet, und Sie konnten sich nichts Schöneres vorstellen, als stundenlang Ihr Pferd zu verladen - nicht wahr? Wir alle wissen, dass beim Verladen Stress und schlechte Laune leider oft vorprogrammiert sind. Benjamin Aillaud zeigt Ihnen, wie Sie Ihr Pferd ganz alleine, mit viel Ruhe und gegenseitigem Vertrauen, verladen können.
 
 

 

Bei den folgenden Übungen konzentrieren wir uns ganz auf das Vorderteil Ihres Pferdes, und nicht, wie viele dazu neigen, auf sein Hinterteil. Denken Sie daran, dass Sie das Verladen vorher einige Male trainieren sollten, damit es an dem Tag, an dem Ihr Pferd auf den Hänger muss, auch funktioniert. Manche Pferde brauchen außerdem etwas länger, bis sie sich beim Verladen wirklich wohl und sicher fühlen. Und das brauchen Sie beim Verladen: ein Heunetz, Transportschutz (Transportgamaschen, Stallgamaschen oder auch Bandagen) und eine Longe. Befestigen Sie die Longe nach der Colbert-Methode: Führen Sie die Longe durch einen Ring (Halfter oder Trense) über den Kopf und haken Sie die Longe auf der anderen Seite am Ring ein. Tragen Sie auf jeden Fall Handschuhe und nehmen Sie eine Gerte mit. Und schon kann das Verladetraining beginnen.

Idealerweise sollten Sie den Hänger an einer Stelle abstellen, die abgezäunt oder auf irgendeine Art und Weise abgeschlossen ist. Das kann beispielsweise der Reitplatz, die Halle oder ein Paddock mit rutschfestem Bodenbelag sein. So können Sie Ihr Pferd zum einen schnell wieder einfangen, falls es sich losreißen sollte, und zum anderen verladen Sie das Pferd dann in einer vertrauten Umgebung.

Wenn Sie sichergehen wollen, dass Ihr Pferd die Übung schnell versteht, müssen die Grundlagen stimmen. Bei der Bodenarbeit können Sie gegenseitiges Vertrauen aufbauen und grundlegende Regeln festigen. Beginnen Sie mit der Übung "Folge mir". Wenn das erst einmal gut funktioniert, wird auch das Verladen zum Kinderspiel.

Stellen Sie sich zunächst rechts oder links des Pferdes auf und fordern Sie es auf, auf beiden Seiten zu weichen. Dadurch bewegt das Pferd sozusagen die Hüfte von rechts nach links. Loben Sie Ihr Pferd, wenn es das macht, was Sie von ihm möchten, und beruhigen Sie es, wenn Sie neben ihm stehen. Wenn Ihr Pferd auf Ihr Kommando hin nach rechts oder links weicht, können Sie auch dann die Kontrolle über Ihr Pferd behalten, wenn Sie beim Verladen direkt vor ihm stehen. Der zweite Schritt besteht anschließend darin, dass Ihr Pferd einige Schritte auf Sie zukommt, wenn Sie vor ihm stehen. Tippen Sie dazu das Pferd im Schulterbereich leicht mit der Gerte an. Diese beiden Übungen hat Ihr Pferd schnell gelernt, und gleichzeitig sind sie Ihnen beim Verladen eine große Hilfe. Wenn Ihr Pferd noch nicht ganz verstanden hat, was Sie von ihm wollen, trainieren Sie einige Male mit ihm, bis die Übungen richtig sitzen.

Wenn Sie sich sicher sind, dass Ihr Pferd Ihnen folgt und aufmerksam auf Ihre Kommandos wartet, können Sie mit der Arbeit am Hänger beginnen. Stellen Sie sich mit dem Rücken zum Hänger vor Ihrem Pferd auf. Beruhigen Sie Ihr Pferd, wenn Sie das Gefühl haben, dass der Hänger es ein wenig aufregt. Beginnen Sie dann wieder mit der Übung. Bewegen Sie Ihr Pferd von links nach rechts, so lange, bis Ihr Pferd gerade vor dem Hänger steht. Wenn Sie ein wenig entfernt vom Hänger stehen, fordern Sie das Pferd auf, einige Schritte auf Sie zuzugehen, indem Sie es mit der Gerte an der Schulter antippen.

Steigen Sie jetzt auf die Hängerrampe. Gehen Sie sicher, dass Ihr Pferd gerade vor dem Hänger steht. Wenn nicht, bewegen Sie es nach links oder rechts, wie in der ersten Übung. Fordern Sie jetzt Ihr Pferd wie in der zweiten Übung dazu auf, ein paar Schritte nach vorne auf die Hängerrampe zu kommen und Ihnen ins Innere zu folgen. Machen Sie das ruhig Schritt für Schritt und loben Sie Ihr Pferd bei jeder Vorwärtsbewegung. So hat das Pferd weniger Angst und wird die Übung viel schneller verstehen. Wenn das Pferd im Hänger steht und dann rückwärts läuft, ziehen Sie nicht zu stark an der Longe. Ihr Pferd könnte sonst den Kopf hochreißen und sich verletzen. Normalerweise hilft Ihnen die Longenbefestigung nach der Colbert-Methode bei der Ausführung Ihrer Kommandos und verhindert, dass das Pferd zu stark rückwärts läuft. Wenn das Pferd dennoch rückwärts läuft, bleiben Sie ruhig und lassen Sie es zu. Fangen Sie dann einfach wieder von vorne an. Beruhigen Sie Ihr Pferd, wenn es wieder im Hänger steht.

Wiederholen Sie diese Übung einige Male, bis Ihr Pferd verstanden hat, dass es keine Angst vor dem Hänger haben muss.

 

Was Sie beachten sollten

Es ist sinnlos, sich mit Ihrem Pferd anzulegen, wenn es nicht in den Hänger will. Wenn es kein Vertrauen hat, wird es sich auch nicht verladen lassen.
Wenn Sie Ihr Pferd auffordern, auf Sie zuzugehen, sollten Sie es mit der Gerte nicht zu stark antippen. Die Gerte dient nicht zur Bestrafung, sondern ist lediglich eine Unterstützung.
Geben Sie Ihrem Pferd die Zeit, die es braucht, um sich zu beruhigen. Am Anfang haben Sie vielleicht das Gefühl, dass Sie unnötig Zeit verlieren - aber wenn Ihr Pferd später problemlos in den Hänger geht, holen Sie diese Zeit wieder rein.
Verladen Sie auf einem festen Boden, auf dem Ihr Pferd nicht wegrutschen kann. Stellen Sie den Hänger an einem Ort ab, der auf irgendeine Art und Weise begrenzt ist. Sind diese Bedingungen nicht erfüllt, erschweren Sie die Übung nur unnötig.
Bleiben Sie vor allem ruhig. Es bringt rein gar nichts, wenn Sie sich aufregen, ganz im Gegenteil machen Sie Ihr Pferd damit nur nervös und das Ganze nur noch schlimmer.
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